„Also, dann will ich ma' erzähl'n, ihr Holzköpfe, warum Magische Geschöpfe (wie dat hier in Hogwarts heißt) das Beste sin', was der Zaubererwelt passiert is': Ich bin nun schon seit ich ein kleiner Großer war, vernarrt in diese Viecher. Ich hatte ja nix anderes, weil es waren nich' viele Leute da für mich un' deshalb war ich viel allein.

Nachdem meine lieben Eltern – *schnüff* – nich' mehr zusammn bleibn wollten, nahm mich Vater mit in so ’ne kleine Hütte. Aber da waren rundherum keine Leute, eben nur Wald. Vater war mit Arbeiten im Wald beschäftigt un' so musste ich halt guckn, wie ich den Tag rumbrachte. Ich bin dann überall rumgestromert und irgendwann hab ich dann dat kleine Viech gefunden. Kennt Ihr ‘nen Flubberwurm? Nä? Dann zeig ich euch den ma demnächs‘. Aber anpacken tu ich den nich, weil ich schon ma‘ so nen kleinen Wurm mit meener großen Pranke zerquetscht hab. Tut mir echt heut noch leid, der Arme. So en Flubberwurm is ganz schön verfressen. Dat geht in ener Tour, aber dat bekommt ihm nich. Denn wenn er zu viel in sich reingestoppt hat, stirbt er. Is‘ ja auch kein Wunder, bei so ‘nem kleinen Magen.
Da lief dat mit dem Höllenhund schon besser. Na ja, für ihn ers‘ mal nich‘, denn er hatte sich verletzt und er wollte nich‘, dass ich ihn anfasse. Aber da kennt er Rubeus nich‘. Ich hab ihn mit nach Haus‘ genommen und ihm wieder auf die Beine geholfen. War ech‘ gut zwischen uns. Deshalb is‘ er auch bei mir geblieben. Dat war mein allererster Hund. Später hab ich ja noch einen bekommen, aber das is‘ ‘ne andere Geschichte.

Wo ich grad Rubeus sach‘. Ihr wisst ja gar nich‘, wer ich bin. Warum sacht denn keiner wat? Also, ich bin hier der Wildhüter Rubeus Hagrid un‘ ich bring euch allet bei, wat ihr über die magischen Viecher wissen müsst. Schließlich gibt et hier um Hogwarts genug, die euch ma‘ so über den Weg laufen könnten. Dann dürft ihr nix falsch machen.

Am besten merkt ihr euch dat:
Guckt euch die Viecher genau an. Wie die den Kopp bewegen oder euch angucken, zeigt an, wie die grad drauf sind. Rennt bloß nich‘ auf die zu. Dat können ‘se gar nich‘ haben. Immer schön langsam und gemütlich, dat is‘ wichtig. Ihr dürft die auch nich‘ einfach anpacken. Haltet die Hand hin und dann merkt ihr schon, ob sie angepackt werden wollen oder nich‘. Bei den Viechern darf nix schnell gehen. Ihr brauch‘ viel Geduld. Dann wird dat schon.
Wenn ihr Angst habt, is‘ dat schlecht für euch. Die merken dat sofort und dann jagen sie euch. Also nie anmerken lassen, dat ihr euch fürchtet. Redet bloß nich‘ mit denen, wenn die fressen. Dat is‘ ganz wat Schlimmes. Dann werden ‘se nämlich grantig und aus is‘ et mit euch.

Wenn ihr alles macht, wat ich euch sage, sind die magischen Geschöpfe janz wat Feines. Dat werdet ihr schnell merken. Für den Unterricht morgen bring ich einen Streeler mit. Dann könnt ihr ma‘ so ein magisches Viech sehen.“

Diesen Bericht konnte Hagrid als Professor natürlich nicht vortragen – Hermine griff ihm daher beherzt unter die Arme und verbesserte ihm das Schreiben mit flinker Hand:

„Seit ich denken kann, beschäftige ich mich mit den magischen Geschöpfen in unserer Zauberwelt. Das ist auch nicht verwunderlich, denn in meiner Kindheit hatte ich niemanden, mit dem ich meine Zeit verbringen konnte. Nachdem sich meine Eltern getrennt hatten, zog ich mit meinem Vater in ein kleines Haus, das weit abgelegen von der Zivilisation in einem großen Waldgebiet lag. Wir lebten in völliger Einsamkeit und so musste ich selbst sehen, wie ich zurechtkam. Mein Vater war den ganzen Tag über mit Arbeiten im Wald beschäftigt und wir sahen uns nur abends.

Mit der Zeit verbrachte ich immer mehr Stunden im Wald. Es gab so viel zu sehen und kennenzulernen. So dauerte es auch nicht lange, bis ich den ersten Kontakt zu einem magischen Geschöpf bekam. Es war ein Flubberwurm, den ich in einem Graben am Waldrand fand. Ich war fasziniert davon, wie er stundenlang reglos im Schlamm liegen konnte. Er strahlte so viel Ruhe und Gelassenheit aus, dass ich ihn ganz für mich haben wollte. Deshalb kam ich am nächsten Tag mit einem Behälter zurück und legte ihn, eingebettet in eine Schlammschicht, in diese Kiste. Außerdem legte ich noch einige Grünpflanzen dazu. Zu Hause angekommen, musste ich leider feststellen, dass mein kleiner Wurm nicht mehr lebte. Er hatte die ganzen Pflanzen aufgefressen und war wohl daran gestorben. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, denn hätte ich ihn an Ort und Stelle gelassen, würde er noch immer ruhig im Schlamm liegen und sich seines Lebens freuen. Diese Erkenntnis hat mich sehr belastet und ich habe mir geschworen, die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu lassen.

Monate später hörte ich bei meinem Spaziergang ein jämmerliches Heulen, das einem durch Mark und Bein ging. Vorsichtig näherte ich mich der Stelle und sah einen riesigen Hund, dessen Pfote sich in einem Draht verfangen hatte. Er musste unheimliche Schmerzen haben. Ich ging ganz vorsichtig in seine Richtung und redete beruhigend auf ihn ein. Er durfte nicht merken, dass ich große Angst hatte, denn er war ein riesiges Tier mit weit aufgerissenen Augen. Was soll ich sagen? Nach gefühlten Stunden ließ er mich an sich heran und ich konnte ihn befreien. Ich streichelte sein zotteliges Fell und fühlte eine gute Stimmung zwischen uns. Wie selbstverständlich begleitete er mich bis zu unserem Haus und legte sich vor den Kamin. Ich versorgte seine Wunde und war nach langer Zeit mal wieder richtig glücklich. Mein Vater erlaubte mir, den Hund zu behalten. Ich nannte ihn „Fluffy“ und wir hatten eine tolle Zeit zusammen.

Als ich im schulfähigen Alter war, kam ich nach Hogwarts, der Schule für Zauberer und Hexen. Durch meinen Vater hatte ich ja magische Kräfte, wenn auch nicht so ausgeprägt wie bei anderen Schülern. Der Unterricht interessierte mich nicht wirklich, nur im Fach „Pflege magischer Geschöpfe“ lernte ich die Dinge, die mein Leben ausmachten: der Umgang mit den magischen Geschöpfen. Nach einiger Zeit wurde ich vom Schulleiter als Wildhüter eingestellt und ich hatte die Aufgabe, auf die magischen Geschöpfe zu achten.

Mir fällt gerade ein: Ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Rubeus Hagrid und ich kann Ihnen alles über die Haltung und Versorgung dieser Tiere beibringen.

Wichtig ist, folgende Regeln zu beachten:

Begegnen Sie ihnen mit Geduld und Respekt. Sie müssen auf jede Regung des Kopfes, jede Bewegung des Körpers und der Augen achten, denn so können Sie auch die momentane Stimmung erkennen. Bewegen Sie sich langsam, Schritt für Schritt, auf das Tier zu. Strecken Sie langsam die Hand vor und warten Sie ab. Es kann unter Umständen lange dauern, bis das magische Geschöpf reagiert. Werden Sie auf keinen Fall ungeduldig oder hektisch, denn das kann als Bedrohung aufgefasst werden. Beherrschen Sie sich und zeigen Sie keine Angst, denn das ruft den Beutetrieb hervor. Sprechen Sie niemals ein magisches Geschöpf an, wenn es gerade frisst. Es könnte Ihr gut gemeintes Verhalten missverstehen und dann Gnade Ihnen Gott.

In diesem Schuljahr werden Sie meist theoretisch über die Pflege magischer Geschöpfe unterrichtet. Im kommenden Jahr sollen Sie dann das Erlernte in der Praxis umsetzen. Sie werden sehen, die magischen Geschöpfe sind gar nicht so grausam und gefährlich. Man muss nur wissen, wie man mit ihnen umgeht und das lernen Sie von mir.

Ich denke, nun habe ich genug erzählt. Gehen Sie bitte in den Klassenraum und holen Sie Pergament und Feder heraus. In der ersten Stunde werden wir gemeinsam alles über den Streeler erarbeiten. Zur Unterstützung des Unterrichts habe ich ein Exemplar dieser Gattung der Schnecken mitgebracht.

Ich freue mich sehr, dass ich Ihnen mein Wissen über die magischen Geschöpfe weitergeben kann und bin sicher, dass auch Sie von diesen wunderbaren Wesen fasziniert sein werden.“

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